Offizieller Startschuss für das Projekt zur Versorgung chronischer Wunden

Das Projekt „Versorgungsmanagement Wunde Rheinland-Pfalz“ (VeMaWuRLP) ist heute mit der öffentlichen Vorstellung in der Johannes-Gutenberg-Universität in die operative Phase gestartet. Ende vergangenen Jahres hatte es in der dritten Förderwelle des Innovationsfonds einen Zuschlag und damit eine Förderung aus Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds erhalten.

Ziel der Förderung ist es, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen, umzusetzen und auch wissenschaftlich zu begleiten. Vertreter der Konsortialpartner Hochschule Ludwigshafen, Techniker Krankenkasse (TK) und GWQ ServicePlus AG (im Auftrag verschiedener Betriebs- und Innungskrankenkassen) sowie des Konsortialführers mamedicon GmbH erläuterten den geladenen Gästen im großen Hörsaal der Universitätsmedizin, wie das Projekt gestaltet werden soll und welche Intention dahinter steckt.

Im Fokus des Projekts steht die verbesserte Versorgung schlecht heilender bzw. chronischer Wunden, an denen in Deutschland schätzungsweise zwischen 1,4 und 1,8 Millionen Menschen leiden. Für die Versorgungsregion Rheinland-Pfalz wird mit etwa 10.500 betroffenen Patienten gerechnet. Schlechtheilende Wunden entstehen oft infolge von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen oder eingeschränkter Beweglichkeit. Folglich sind häufig ältere, multimorbide Patienten betroffen.

Ziel des Projekts VeMaWuRLP ist es, ein flächendeckendes Versorgungs-management zur Begleitung von Menschen mit chronischen Wunden im Land zu etablieren. Damit sollen eine höhere Therapietreue und ein besseres Therapieergebnis erreicht werden. So sollen die beteiligten Zentren und besonders qualifizierte Wundmanager betroffene Patienten und Angehörige begleiten und schulen, damit das Augenmerk auf eine standardgerechte Reinigung und hygienische Aspekte der Wundbehandlung gelegt wird. Auch einer wundheilungsfördernden Gestaltung des Lebensumfelds wird mehr Beachtung geschenkt werden. Eingebunden sind natürlich auch die behandelnden Ärzte, Pflegedienste, Krankenhäuser, Physiotherapeuten oder Podologen.

Der sektorenübergreifende und interdisziplinäre Ansatz soll dazu führen, dass durch die bessere Koordination von Einzelmaßnahmen die Zahl der Krankenhaus-aufenthalte aufgrund chronischer Wunden reduziert wird, die Rate der Amputationen zurück geht und die Rückfallquote nach Abheilung sinkt.

Seit Mai 2018 arbeitet das Konsortium an notwendigen Verträgen, der Gewinnung von weiteren Partnern wie Krankenkassen, Studieneinrichtungen und FallmanagerInnen sowie der Erstellung von Schulungsunterlagen.

Zwischen dem 01. November 2018 und dem 30. November 2019 werden in bislang 16 ambulanten oder stationären Studieneinrichtungen Menschen mit chronischen Wunden auf die Möglichkeit zur Teilnahme an dieser neuen Versorgungsform angesprochen. Für die Evaluation erfolgt dies in Form einer randomisierten Studie, damit die Wirksamkeit des Versorgungsmanagements ausgewertet werden kann. Die Teilnahme dauert dann für die Beteiligten jeweils bis zu 12 Monate, die praktische Umsetzung also bis Ende November 2020. Teilnehmen können erwachsene Versicherte der beteiligten Krankenkassen. Die Teilnehmer einer ersten Gruppe werden zusätzlich zu ihrer üblichen Behandlung drei Mal halbjährlich ärztlich untersucht und zu ihrem Heilungsverlauf befragt. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe werden über maximal zwölf Monate von pflegerischen WundexpertInnen im Rahmen eines Fallmanagements unterstützend begleitet. Diese Fallmanager wurden dafür speziell zu Inhalten und Durchführung des Versorgungsmanagements für Menschen mit chronischen Wunden geschult. Anschließend werden die gesammelten Daten beider Teilnehmergruppen auf Aspekte der Lebensqualität, der gesundheitlichen Entwicklung und der Krankheitskosten anonymisiert ausgewertet.

Das Projekt läuft über insgesamt drei Jahre. Weitere Kooperationspartner sind das Wundnetz Rheinland-Pfalz e.V., die Initiative Chronische Wunden e.V., die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement e.V., die Pflegekammer Rheinland-Pfalz, die Deutsche Venenliga e.V. sowie die Arbeitsgemeinschaft Diabetologie und Endokrinologie in Rheinland-Pfalz e.V.

Menü schließen